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Interview mit Kai Jordan, FINANCE-TV


Börse München, 10.10.2019, Kai Jordan, mwb Wertpapierhandelsbank

Die Kapitalmärkte honorieren enge Kommunikation

An der Börse verhält es sich wie im echten Leben: Wer eine gute Beziehung zu seinem Partner aufbauen will, muss viel mit ihm reden. Das allein genügt freilich noch nicht. Es kommt auch darauf an, was gesagt wird. Doch um Vertrauen aufzubauen, muss man im Gespräch bleiben. Die Teilnehmer an den Kapitalmärkten honorieren es, wenn ein Emittent regelmäßig mit ihnen kommuniziert. Dies gilt selbst für institutionelle Investoren. Bei professionellen Anlegern dreht sich zwar vieles um Zahlen, Kennziffern und Finanzmathematik, aber eben nicht alles. Wir bei der mwb Wertpapierhandelsbank haben die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, bei den Investoren wie auch in der breiten Öffentlichkeit eine Transparenz herzustellen, die über die regulatorischen Vorgaben hinausgeht.

Vertrauen schaffen

Eine gute Gelegenheit, um mit den Investoren ins Gespräch zu kommen und ihnen Einblick in die Strategie des Emittenten zu geben, sind neue Emissionen. Unternehmen, die sich zum ersten Mal an den Kapitalmarkt wenden, sei es mit einer Aktienemission oder mit einer Anleihe, müssen sich das Vertrauen der Marktteilnehmer erst erwerben. Haben sie während dieser ersten Emission offen kommuniziert, ihre Versprechen gehalten oder schlüssig erklärt, warum es zu Abweichungen in Bezug auf frühere Aussagen gekommen ist, dann wirkt sich das erworbene Vertrauen bei folgenden Emissionen positiv aus.
 
Ein guter Ruf an den Märkten macht es dem Emittenten leichter, Termine bei Investoren zu bekommen, Roadshows werden besser besucht, und häufig verbessern sich auch die Konditionen für den Emittenten, weil unternehmensbezogene Risikoaufschläge reduziert werden können. Man kennt sich und vertraut sich.

Anleihe-Emission mit guter Kommunikation

Diese Erfahrung haben wir zum Beispiel mit Euroboden gemacht. Das Immobilienunternehmen hat vor kurzem seine dritte Anleihe-Emission abgeschlossen. Bei dieser Finanzierungsrunde haben wir Euroboden wie auch schon in der zweiten Runde begleitet. Die Nachfrage nach der dritten Emission war so groß, dass die Platzierung erst von 30 auf 40 Millionen Euro aufgestockt und diese dann wegen Überzeichnung vorzeitig beendet wurde. Das erhöhte Emissionsvolumen wurde schon nach drei Tagen erreicht. Dabei war der Kupon der dritten Emission niedriger als bei der zweiten Emission von 2017. Der Rückgang lässt sich zum kleinen Teil durch das Marktumfeld erklären, zu einem größeren jedoch dadurch, dass sich Euroboden durch regelmäßige Emissionen und eine gute Kommunikation mit den Investoren das Vertrauen der Kapitalmärkte erworben hat.

Zu hoher Transparenz verpflichtet

Dazu beigetragen hat neben einer reibungslosen Bedienung der beiden ersten Anleihen, dass sich Euroboden freiwillig zu einer hohen Transparenz verpflichtet hat. So sagt Euroboden zu, regelmäßig den Konzernabschluss und den Konzernlagebericht herauszugeben wie auch den verkürzten Konzernabschluss und Zwischenlageberichte für den Konzern, einen Unternehmenskalender zu aktualisieren und zu veröffentlichen sowie Veranstaltungen für Analysten und Investoren auszurichten. Das sind keine Lippenbekenntnisse. Sollte sich Euroboden an diese Zusagen nicht halten, hat das Unternehmen zugesagt, die Schuldverschreibungen in der folgenden halbjährlichen Zinsperiode um einen halben Prozentpunkt höher zu verzinsen. Das ist ein empfindlich hoher Strafzins, zu dem sich der Emittent freiwillig verpflichtet hat.

Der Mittelstand braucht den Kapitalmarkt

Die Finanzierung über die Kapitalmärkte wird für den Mittelstand in den kommenden Jahren immer wichtiger. Aufgrund einer weiteren Verschärfung der Bankenregulierung und strengeren Regeln für die Kreditvergabe sollten sich gerade kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit eröffnen, sich auch über die Kapitalmärkte zu finanzieren. Das kann immer noch der klassische Gang an den Aktienmarkt sein. Viele Unternehmen wählen mittlerweile auch die Mittelstandsanleihe. Nach ersten Verwerfungen in den Anfangsjahren dieses Marktsegments wurden zum Glück die richtigen Lehren gezogen, sodass sich Mittelstandsanleihen heute zu einem festen Bestandteil der Kapitalmärkte mit vielen Emissionen guter Qualität und einem festen Stamm an institutionellen und privaten Investoren entwickelt haben. In den vergangenen Jahren sind weitere Finanzinstrumente hinzugekommen, sodass dem Mittelstand heute eine breite Palette an Finanzierungsmöglichkeiten an den Märkten zur Verfügung steht.


Börsenzeitung vom 06.09.2019


mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
17.8.2019


1. Halbjahr 2019 bei mwb auf Vorjahresniveau
Interview mit Vorstandssprecher Thomas Posovatz im Börsenradio Network

https://www.brn-ag.de/35986


Kai Jordan, mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
05.03.2019

„Ich halte das gesamte Konzept zur Förderung von KMU für ziemlich unrund“

Interview mit Kai Jordan, mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG

Das GoingPublic Magazin im Gespräch mit Kai Jordan über die Rolle des Finanzinstituts bei der Begleitung an den Kapitalmarkt. Für welche Veränderungen sorg(t)en MAR, MiFID und Wachstumsprospekt, vor allem aber: Geht es auch in die richtige Richtung?

GoingPublic Magazin: Herr Jordan, wie würden Sie heute die Rolle der emissionsbegleitenden Bank im Prozess beschreiben?

Jordan: Hier sollte man sich die historische Entwicklung anschauen. Vor sagen wir drei Jahrzehnten gab es noch das sogenannte Hard Underwriting von Banken bei Aktienemissionen. Das sind de facto Platzierungsgarantien für die angebotenen Wertpapiere, ggf. in die eigenen Bücher. Wenn man sich die jüngste Entwicklung ansieht, also das abgeschlossene Jahr 2018, dann schien mir da aktuell etwas zu viel in Richtung Erlösmaximierung im Sinne des Emittenten gegangen zu sein. Der Interessenausgleich zwischen Emittent und Investor blieb ein wenig auf der Strecke. Sinnbildlich sollte es sich bei der Rolle mehr um eine Brücke zwischen den Akteuren handeln statt um eine Art Platzierungsmaschinerie.

GoingPublic Magazin: 2018 geht in puncto Emissionsvolumen sogar in die jüngeren Rekordbücher ein, auch die Anzahl an IPOs war mit 19 auf dem höchsten Stand seit vor der Finanzkrise.

Jordan: Das steht auf den ersten Blick zu Recht zu Buche, jedoch mit den erwähnten Abzügen in der B-Note. Als mwb Wertpapierhandelsbank sind wir derzeit selbst mit einem Emissionsvorhaben im Markt unterwegs, und da sehen wir unsererseits noch die Scherben vom Vorjahr. Es gibt Investoren, die sind derzeit aufgrund der Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr sehr zurückhaltend und sehr preissensitiv.

GoingPublic Magazin: Stichwort Compliance – dies hören wir immer wieder von den Börsen selbst, als wichtigstes Thema für Emittenten. Ist es überhaupt etwas für kleine Unternehmen?

Jordan: Die ganzen Regulierungsthemen muss man heute dezidiert mit dem Emittenten im Vorfeld durchgehen, egal ob groß oder klein. Speziell seit Inkrafttreten der MAR vor einigen Jahren sind zahlreiche Hausaufgaben hinzugekommen. Noch mehr Insiderthemen hat man zu beachten, wenn der potenzielle Aktienemittent schon irgendwo am Kapitalmarkt aktiv ist, z.B. mit ausstehenden Anleihen. Schon mit der Antragstellung greift die MAR – und potenzielle Strafen sind durchaus empfindlich, besonders für weniger große Unternehmen in der Relation.

GoingPublic Magazin: Unterstützt man seinen Börsenaspiranten als begleitende Bank dabei auch?

Jordan: Aber ja. Das darf der Emittent auch erwarten, speziell wenn er erstmals mit dem öffentlichen Kapitalmarkt in Kontakt tritt.

GoingPublic Magazin: Bei Anleiheemissionen im Mittelstandsbereich – den berühmten Mittelstandsanleihen also – hatte man zuweilen den Eindruck, als müsse die emissionsbegleitende Bank oder auch die Rating-Agentur Erklärungen für alles innerhalb der in der Regel fünf Jahre währenden Laufzeit parat halten.

Jordan: Das geht natürlich völlig an der Realität vorbei. Falls im ersten oder auch noch zweiten Jahr nach der Emission Ungereimtheiten ans Tageslicht kommen, oder bereits auch eine gravierende Planverfehlung, dann ist die Frage berechtigt, ob die Due Diligence ihren Namen verdient hatte. Eine Pauschalverantwortung für das gesamte Kapitalmarktdasein eines Emittenten, speziell wenn es ein kompletter Neuling ist, wäre aber realitätsfremd.

GoingPublic Magazin: Und MiFID II – wie strahlt die auf Emittenten aus?

Jordan: Auf dieser Basis muss heute so ziemlich alles dokumentiert werden, bis hin zu einem Grad, wo man sich fragt, ob es dafür einer eigenen Regulierung bedurft hätte. Da werden Dinge aufwendig aufgeschrieben und dokumentiert, die eigentlich selbstverständlich sind. Ich bin definitiv nicht der Einzige, der hier feststellt, dass die Regulierung über das eigentliche Ziel hinausschießt. Das betrifft wiederum vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen und deren begleitende Banken, die im Vergleich einen immensen Compliance- und IR-Aufwand bewerkstelligen müssen. Natürlich unterstützen wir die Unternehmen hierbei, sodass zumindest in der Emissionsphase die Bank einen guten Teil des Aufwandes erbringt.

GoingPublic Magazin: Auch die neuen Auflagen für das Research, also die analytische Coverage von notierten Unternehmen, dürfte das betreffen – oder?

Jordan: Wiederum sind KMU hierbei durch die neuen Regeln im Nachteil. Research muss heute explizit vom Emittenten selbst in Auftrag gegeben und bezahlt werden. Mit der Folge, dass zunehmend weniger börsennotierte KMU überhaupt gecovert werden, während DAX-Titel meist sogar pro bono in den Genuss davon kommen, da die Investoren hier das Research bezahlen. Das führt zu einer Bevorteilung größerer Unternehmen. MiFID II hatte ursprünglich genau das gegenteilige Ziel, stattdessen trifft es den börsennotierten Mittelstand besonders hart. Aus meiner Sicht alles andere als ein Erfolg.

GoingPublic Magazin: Man spricht ja häufig vom sogenannte Regulierungspendel, das zwischen Finanzmarktkrisen von einem Extrem zum anderen schwingt, aber selten in der gesunden Mitte zu finden ist. Wo stehen wir aktuell?

Jordan: Jedenfalls nicht in einer gesunden Mitte. Das Produkt Aktie sollte einem zunehmenden Investorenkreis zugänglich sein. Leider führt die Regulierung oft zum Gegenteil. Die Einreichungen bei der Beschwerdestelle der BaFin haben sich im letzten Jahr dem Vernehmen nach verdoppelt – von Privatanlegern also, die keine Lust auf all den übersteigerten Beratungs- und Dokumentationswirrwarr haben, oder auch weil Produkte nicht mehr handelbar waren, da irgendwelche Kennzahlen und Zielmarktdaten fehlten.

GoingPublic Magazin: Wie beurteilen Sie den sagenumwobenen EU-Wachstumsprospekt in dieser Hinsicht?

Jordan: Der Prospekt ist nach den ersten Gehversuchen und Korrekturen nun ein Schritt in die richtige Richtung. Ich halte aber das gesamte Konzept zur Förderung von KMU für ziemlich unrund. Es gibt einen guten Grund, warum sich bis auf den Londoner und den Mailänder AIM noch keine andere Börse dem Konzept des sogenannten EUWachstumsmarkts verschrieben hat. Anstelle des Wertpapierprospekts tritt ein überschaubar langes Exposé, das durch die Pflicht zur Veröffentlichung letztlich auch ein Haftungsdokument ist – und deshalb ebenfalls kostenträchtige und umfängliche Prüfungen durch die mit der Emission beauftragten Bank unterliegen muss. Wenn ich also die allfälligen Due-Diligence-Prüfungen ohnehin vornehmen muss, kann ich auch gleich einen ganz normalen Wertpapierprospekt erstellen lassen.

GoingPublic Magazin: … was natürlich auch für Emittenten wichtig ist. Ist die zunehmende Hürde für einen Börsengang noch ein Stück höher geworden?

Jordan: Die Idee, Marktsegmente zu schaffen, die KMU für ein Börsenvorhaben nur einen überschaubaren und höchstens mittelgroßen Aufwand bescheren, ist im Kern natürlich zu begrüßen. Bei den beiden erwähnten europäischen Wachstumsmärkten kommen jedoch noch andere fördernde Strukturen hinzu, etwa Steuererleichterungen für junge, wachstumsstarke Unternehmen.

GoingPublic Magazin: Im vergangenen Jahr fragte das GoingPublic Magazin einmal zugespitzt: „Sind ICOs die neuen IPOs?“

Jordan: Definitiv nein, und das kam ja, glaube ich, bei Ihrer Untersuchung auch heraus. Als mwb haben wir uns bereits intensiv damit beschäftigt, dieses Thema jedoch bisher nicht angefasst. Sobald es eine verlässliche Regulierung dazu gibt, kann man sich das Token-Thema ja eingehender ansehen. Solange nicht klar ist, wer hier wo und wann in der Haftung steht, bleibt das meines Erachtens bis auf Weiteres tabu.

GoingPublic Magazin: Herr Jordan, besten Dank für Ihre interessanten Einblicke!

Das Interview führte Falko Bozicevic.


Thomas Posovatz, mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
13.02.2019

Die Welt auf dem heimischen Kurszettel – Auslandsaktien bieten Chancen

Deutschland ist einer der größten Märkte der Welt für ausländische Aktien. Rund 4500 Aktien aus etwa 60 Ländern können deutsche Anleger allein an der Börse München handeln. Und auch an den anderen Regionalbörsen in Deutschland steht heimischen Anlegern eine breite Auswahl an Titeln zur Verfügung. Dadurch haben deutsche Aktienkäufer Zugang zur gesamten Welt zum Preis einer Inlandsorder.

Die Skontroführer an den deutschen Börsen machen es möglich. Sie vermitteln die Kauf- und Verkaufsorders der Anleger und sorgen durch ihren Selbsteintritt für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage, oder wie die Börsianer sagen, für den Ausgleich von Geld (Nachfrage) und Brief (Angebot). Sie führen das Skontro, das elektronische Orderbuch, in das sämtliche Kauf- und Verkaufsaufträge der Anleger einfließen, in dem diese ausgeglichen werden und der Preis festgestellt wird.

Es begann mit US-Aktien

Es waren die früheren Freimakler, heutzutage ebenso wie die amtlichen Kursmakler Skontroführer genannt, die den Markt für Auslandsaktien in Deutschland seit den 1970er Jahren erschlossen haben. Sie suchen täglich die Welt nach interessanten Aktien ab, prüfen, ob der Handel mit diesen Titeln regulatorisch und technisch abgewickelt werden kann und stellen dann im heimischen Aktienhandel verbindliche Preise für diese Titel. Ohne die Skontroführer bliebe den Anlegern nur der Weg an die Heimatbörse dieser Aktien, was in allen Fällen hohe Kosten und einen großen Aufwand bedeutet. 

Am Anfang brachten die Börsenmakler den Handel mit amerikanischen Aktien nach Deutschland. Somit konnten die hiesigen Anleger erstmals zu vertretbaren Kosten direkt in Titel wie Disney, General Electric, IBM oder General Motors investieren. Später kamen vor allem Goldminen hinzu, etwa aus Südafrika, Australien oder Kanada. In den 1990er Jahren wurden israelische Technologieaktien und die ersten amerikanischen Internettitel an deutschen Börsen gelistet. Deutsche Anleger konnten nur deshalb schon früh am fulminanten Kursaufschwung von Amazon, Microsoft oder Adobe teilnehmen, weil Skontroführer anfingen, diese Titel an den heimischen Börsen zu notieren.

AUSLANDSAKTIEN HANDELN WIE EINHEIMISCHE, DANK DER SKONTROFÜHRER

Ein Computer hat kein Fingerspitzengefühl

Was Skontroführer leisten, schaffen Computer nicht. Sie können zwar rechnen, aber sie können nicht denken. Deshalb heißen Computer im Deutschen ja auch Rechner. Computer können nur das ausführen, wofür sie zuvor programmiert worden sind. Aber sie können nicht selbst Entscheidungen treffen, zum Beispiel ob ein Auslandstitel für deutsche Anleger interessant sein könnte. Und um für Auslandstitel gute Preise zu machen, die auf der einen Seite dem Anleger faire Konditionen bieten und dem Skontroführer ein faires Auskommen, bedarf es Knowhow und Fingerspitzengefühl, wie es nur Menschen haben und Computer nicht.

Auslandsaktien in Deutschland zu kaufen bietet noch einen weiteren Vorteil: Anleger können auch dann in diesen Titeln handeln, wenn deren Heimatbörsen aufgrund der Zeitverschiebung geschlossen sind.




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